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Patienteninformation Therapie  (Überarbeitung 04.05.2012)

Psychosomatische Grundversorgung

Alle drei Praxisinhaber verfügen über eine zusätzliche Ausbildung in Psychosomatik und sind dadurch befähigt, psychosomatische Aspekte und bereits entstandene psychosomatische Krankheiten zu erkennen und zu behandeln und haben dafür die erforderliche Abrechnungsgenehmigung erhalten.

Psychosomatische Störungen (letzte Überarbeitung 19.04.2012)

Unter Psychosomatik versteht man Störungen und Krankheiten, die über einen besonderen Zusammenhang zwischen der Psyche (Seele, Geist) und dem Soma (Körper) gekennzeichnet sind. Diese Zusammenhänge unterliegen mittlerweile einer umfangreichen Diskussion, da früher viel mehr getrennt wurde zwischen körperlichen und seelischen Krankheiten, als es heute üblich ist, weil der enge Zusammenhang unbekannt war. Psychosomatische Störungen und die manchmal später daraus entstehenden Krankheiten fangen immer an mit Belastungen und Überforderungen, die nicht mehr bewältigt werden. Es kann sich um akute Belastungssituationen handeln, die auch Schwellensituationen sein können (das sind Übergangssituationen, z.B. Eintritt ins Berufsleben nach der Ausbildung, Umzüge, letztes Kind verlässt die Ursprungsfamilie, Eintritt ins Rentenalter o.ä.), zusammenfassend also größere Probleme/Konflikte des Alltags jeglicher Art, private und/oder berufliche, auch die lange Pflege kranker Angehörigen gehört dazu. Manchmal wird die Krise nach einer gewissen Zeit überwunden und die Dinge kommen wieder selbst ins Lot, manchmal aber kommen im Zeitverlauf tiefenpsychologische Faktoren erschwerend zum Tragen. Das bedeutet, es kann zur Aktivierung von tief im Inneren verborgenen teil- oder unbewältigten leidvollen Erfahrungen kommen, die dann plötzlich zum Hauptfaktor der Krankheitsbahnung werden können, neurotische Anteile treten in den Vordergrund.

Da die heute übliche Schulmedizin den spirituellen menschlichen Boden weitgehend verloren hat, wird diese Fehlentwicklung meistens übersehen und nimmt ihren Lauf, nicht selten bis zu schwersten chronischen Krankheiten. Wenn „das Kind in den Brunnen gefallen ist“, denkt dann so wie so niemand mehr an tiefenpsychologische Ursachen. Mit hochwissenschaftlichem Milliardenaufwand und endloser Technik wird dann behandelt, frei nach Mark Twain: „Als wir den Sinn unseres Handelns und die tieferen Hintergründe verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen“.   

Zusammenfassung: Oft sind psychosomatischer Krankheiten banal und eher harmlose Funktionsstörungen und leichtere Krankheiten. Falls es zu häufig oder dauerhaft auftritt, muss man von Alarmzeichen reden, Beispiele sind Immunschwächen mit Allergien und häufigen Erkältungen (Nasennebenhöhlenentzündungen), Neigung zu Kopfweh und Verspannungen, Reizungen der Atem- oder Verdauungswege, oft gepaart mit seelischen Verstimmungen. Eigentlich sollten Alarmzeichen dazu führen, sich zu besinnen und etwas zu tun, nämlich über grundlegende Lebensänderungen nachzudenken. Oft würde es schon helfen um den „richtigen Weg zu finden“ mit Entspannungs- oder Meditationsverfahren anzufangen, die mit der Zeit deutliche Verbesserungen bringen können, wenn man regelmäßig übt.

Sehr häufig ist auch bei psychosomatischen Beschwerden eine unterstützende Medikation wichtig, besonders in einer Krise. Hier kommen Antidepressiva und Neuroleptika (wörtlich übersetzt: Gemütsverzärtler) infrage, beide Stoffklassen führen niemals zur Sucht oder zu Denk- bzw. Persönlichkeitsstörungen (leider glauben die meisten Leute das Gegenteil!), sind sehr hilfreich und werden meistens gut vertragen.

Diese sehr gesundheitsfördernden Mittel, die man auch über Jahre problemlos einnehmen kann, werden von Laien oft verwechselt mit sogenannten „Schlaftabletten“ (Hypnotika, Tranquilizer), die bei schweren Krisen nur für einen Zeitraum von maximal 3 Wochen sinnvoll sind, da sie süchtig machen können.

Zu dem „Schlafmitteln“ gehört eine Unzahl von Präparaten, da es hier viel Missbrauch gibt (Gruppe der Benzodiazepine und Barbiturate), sie verbessern den Schlaf nur kurzfristig, weil sie keinen Erholschlaf bewirken, sondern betäuben, und bei längerem Gebrauch schwere Schlaf- und Gesundheitsstörungen auslösen (Beispiele: Diazepam = Valium, Zolpidem = Zoldem, Zopiclon = Zop, Lorazepam = Tavor, Bromazepam = Adumbran, Bromazanil = Lexotanil), diese Mittel unbedingt meiden! Pflanzliche Schlaf- oder Beruhigungsmittel sind dagegen häufig empfehlenswert (NB: Johanniskraut abends genommen macht Schlafstörungen).

Details für Interessierte:

Durch die neuere Gehirnforschung, die erst seit etwa 15 Jahren durch Entwicklung computerisierter Untersuchungen am Lebenden möglich wurde, gibt es immer mehr Hinweise, dass wahrscheinlich alle körperlichen Funktionen und Krankheiten psychosomatisch beeinflusst sein könnten, da das Gefühlshirn die Zentrale aller Entscheidungen des Verstandes, auch des rationalen Denkens, darstellt und darüber hinaus auch sämtliche Körperfunktionen überwacht und steuert.

Das Gehirn verändert sich gemäß den Belastungen und Anforderungen ständig in seinem Aufbau, die Anzahl und Struktur der Nervenfasern passt sich lebenslang fortlaufend an, löst sich auf oder baut sich an, Störungen sind also nicht nur rein funktionell verursacht, sondern auch Veränderungen des Gehirns.

Das ist auch der Grund, warum es Sinn macht, ausgedünnte Areale in ihrer Funktion zu stärken durch geeignete Medikamente, die eine höhere Ausschüttung gefühlswirksamer Botenstoffe bewirken (z.B. Antidepressiva) und zusätzlich den Wiederaufbau beschädigter Nervenfaserverbünde fördern. Je nach Ausmaß der Schäden kann für genügend Erfolg eine lebenslange Medikation erforderlich sein.

Psychosomatische Störungen sind also ganz  bedeutend und wesentlich wichtiger, als bisher gedacht und an fast jeder Krankheitsentstehung beteiligt oder sogar hauptverantwortlich, als unbewusste Folgen neurotischer Lasten (lebensgeschichtlich erworbene Fehlverarbeitungen von Belastungen), die jedes Menschen Leben mitbestimmen. Störungen des Fühlens (des Unbewussten), können gebahnt über Verhaltens- und/oder Funktionsstörungen später, auch nach Jahrzehnten, noch Unfälle oder seelische und/oder körperliche Krankheiten auslösen. Irgendein, oft unklarer, Auslöser, z.B. auch eine Lebenskrise wie Scheidung oder Verlust des Arbeitsplatzes, kann die schlummernde Neurose-Störung (und/oder sogar zusätzlich Psychose-Störung – das sind ererbte Neigungen zu Geisteskrankheiten) aktivieren und einen Menschen krank machen, nach einem unauffälligem, bisher anscheinend „normalem“ Leben. Ein kritisches Alter für den Beginn ist das 40. bis 50. Lebensjahr. Die Ursache der Entstehung der Störungen liegt meist sehr früh, zu 90% schon in den ersten sieben Lebensjahren. Unser ganzes Verhalten im weiteren Leben orientiert sich unbewusst an dem, was wir in dieser Zeit erfahren und aufgenommen haben, an unseren tiefsten Gefühlen, der tiefenpsychologischen Prägung. Richtig behandelt, nämlich psychosomatisch, durch einen von Anfang an empathisch zuhörenden und durchgängig emotionalen Ansatz, würden sich viele Störungen und  Krankheiten weniger auswachsen.

Was ist Neurose?

Neurosen sind lebensgeschichtlich erworbene seelische Fehlverarbeitungen von Erlittenem, können in jedem Lebensalter entstehen, zu neunzig Prozent geschieht dies jedoch in den ersten sieben Lebensjahren. Einzelereignisse können Auslöser sein, aber auch belastende Lebensphasen. Unbewusste Gefühlshaltungen, die einmal erlernt wurden oder die man sich angewöhnt hat, wie zum Beispiel Ordentlichkeit, Perfektionismus oder Selbstaufopferung, oder deren Gegenteil, die aber übertrieben und unpassend sind in der neuen Lebenssituation, führen zu Problemen. Neurotiker haben häufig eine Selbstliebestörung. Andere Neurotiker wollen ständig anderen Gutes tun, weil sie es für sich selbst nicht schaffen und opfern sich auf. Wieder andere führen ein von ihren Gefühlen so stark entferntes Leben, dass sie äußere Dinge stark betonen müssen, also auffallen müssen durch Aussehen und Gehabe, was in unserer westlichen Gesellschaft zur Zeit sprunghaft zunimmt.

Das neurotische Fehlverhalten geschieht „automatisch“ über den Gefühlsverstand und kann vom rationalen Verstand nur bedingt kontrolliert werden. Es kann sich dabei nur um kleine „Macken“ handeln, die wenig beachtlich sind. Aber es kann auch eine bedeutende, vielleicht sogar lebensbedrohliche, Rolle spielen und die Ursache von schweren seelischen Krankheiten sein, die sogar stationär behandelt werden müssen, und/oder über die Psychosomatik Ursache körperlicher Krankheiten und jahrzehntelanger Verläufe sein.

Was ist Psychose?

Psychosen sind hirnorganisch bedingte Störungen, die oft eine genetische (Erb-) Komponente haben. Sie hängen in ihrer Manifestation, wie auch die Neurosen, oft von Belastungen ab. Der Beginn liegt früher als bei den Neurosen, nämlich zwischen 15 und 30 Lebensjahren. Es gibt leichte Fälle, die wenig auffallen und den Alltag meistern, aber auch Geisteskrankheiten, die so schlimm werden, dass sie stationär behandelt werden müssen. Die Realität wird ganz, teil- und/oder phasenweise verlassen, es kommt zu einer Sprunghaftigkeit und Vermischung der Gedanken, man nennt es „Verlust des roten Fadens“, es werden seltsame inadäquate Äußerungen gemacht oder dauergeredet   („Danebenreden“),  manchmal pausenlos und tagelang, bis hin zu Illusionen,  Halluzinationen und Fehlhandlungen.

Laien sind damit oft völlig überfordert und hilflos, unbedingt sollte sich nicht lange gewundert werden, sondern im Zweifelsfall schnell professionelle ärztliche Hilfe angefordert werden.

Zusammenfassung:

Psychosomatische Störungen können mit akuten Überlastungen zusammenhängen und nur vorübergehend bestehen, aber auch gleichzeitig mit Neurosen und Psychosen auftreten und zu chronischen Krankheiten führen. Diese Anteile des menschlichen Lebens spielen nicht nur bei der Behandlung seelischer Krankheiten, wie z.B. der Depression, die eine neurotische und/oder psychotische Hauptursache haben kann, sondern auch über die Psychosomatik bei vielen körperlichen Krankheiten, eine wichtige Rolle.

Dr. med. Udo Saueressig

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